3-Minuten-Kirche am 01. August 2021
 
 
„Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin, und keiner ginge mal nachsehen, wo man hinkäme, wenn man hinginge.“ 
 
Mit diesem Aphorismus wollte der schweizer Theologe und Schriftsteller Kurt Marti wohl darauf hinweisen, dass wir Menschen allzu oft nach dem Motto leben „Das macht man halt so.“ 
Kleine Kinder führen uns sehr schön vor Augen, wie wir Menschen von klein auf darauf aus sind, Verhaltensweisen zu kopieren und zu übernehmen ohne sie zu hinterfragen. So halten sie sich liebend gerne Dinge ans Ohr, die aussehen wie Telefone und brabbeln vor sich hin, weil sie das Telefonieren der Erwachsenen kopieren. Ganz nach dem Motto: „Das macht Mama doch auch so.“
 
So entwickeln sich Traditionen und eingefahrene Verhaltensweisen. Solche Konventionen können uns das Gefühl von Sicherheit und Gewissheit geben, weil sie den Rahmen abstecken, innerhalb dessen man sich bewegen und ausdrücken kann. Doch solche scheinbar unverrückbaren Grenzen engen auch ein - begrenzen den Horizont.
 
In der Bibel finden sich einige Geschichten wo gerade mit den scheinbar unhinterfragbaren Traditionen gebrochen wird und Erwartungen enttäuscht werden: So wird mit David ausgerechnet der jüngste und vermeintlich ungeeignetste Sohn zum König erhoben - das von Gott erwählte Volk Israel ist gerade ein kleines und unbedeutendes - Jesus hat immer wieder mit den Menschen Umgang, die damals wie selbstverständlich gemieden wurden. Und schließlich hat Martin Luther mit einigen kirchlichen Traditionen gebrochen und neue Wege eingeschlagen. Ja, wir stehen in einer Tradition von Traditionsbrechern, könnte man sagen. 
 
Das heißt nicht, dass man aus Prinzip alles ablehnen muss, was althergebracht ist. Ich empfinde es viel mehr als einen Ruf, dass wir immer wieder auf uns und unser Leben schauen und uns fragen sollten, ob das, was wir tun, denken und fühlen eigentlich wirklich angebracht ist - oder ob da nicht doch ein „Das macht man halt so.“ im Hintergrund steht.
 
Ihr / euer Pastor
                           
 

Monatsspruch Oktober 2021

Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.
(Hebr 10,24)
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