3-Minuten-Kirche am 17. November 2021
 
 
Wenn morgens mein Wecker klingelt und ich die Augen aufschlage, ist es noch dunkel. Vorbei die Zeit der langen Tage und des frühen Sonnenaufgangs. Es ist Herbst geworden. Jetzt dauert es deutlich länger, ehe der Tag hell wird. Das macht sich auch in mir bemerkbar. Ich komme viel schlechter aus dem Bett, habe deutlich weniger Antrieb und Elan. Dichter Herbstnebel und schwere graue Wolken tun ihr Übriges, mein Gemüt zu betrüben. Mich hat der Herbst-Blues erwischt.
Gott sei Dank weiß ich, dass das nur eine Phase ist, dass es schon bald wieder heller wird – tatsächlich und im übertragenen Sinn – und dass ich auch der dunklen Jahreszeit durchaus Schönes abgewinnen kann.
 
Umso erschrockener war ich darum über die Zahlen einer UNICEF-Studie (Oktober 2021) zur psychischen Gesundheit von Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren. Jede*r vierte Jugendliche in Deutschland gab an, sich häufig deprimiert zu fühlen oder wenig Interessen zu haben. In der Gruppe der 15- bis 19-jährigen ist Suizid die vierthäufigste Todesursache – nach Verkehrsunfällen, Tuberkulose und Gewalttaten. Und natürlich hat die Isolation während der Corona-Lockdowns die ohnehin alarmierende Situation verschlimmert. Diese Jugendlichen durchleiden keine Phase. Sie werden nicht von der Gewissheit getragen, dass am Ende des Tunnels das Licht wartet.
 
Spaß, Sinn und Sicherheit sind Dinge, die den Heranwachsenden dann helfen können. Mut machend finde ich die Ergebnisse vieler Forschungen, dass Glaube und Spiritualität Resilienz (seelische Widerstandskraft) fördern und dazu beitragen, Belastungen, Krisen und Trauma-Erfahrungen besser bewältigen zu können.
Glaube lässt sich nicht anknipsen. Aber wir sollten einladend unsere Gemeinschaft all jenen öffnen, die Bestätigung und Gewissheit suchen. Und empfindsam sein für das Ergehen der Jugendlichen um uns herum. Vielleicht finden auch sie Hoffnung im Glauben an Gott, der jede anerkennt, jedem trotz Fehler bedingungslos Güte und Liebe schenkt.
 
Ich jedenfalls fühle mich davon durch dunkle Zeiten getragen.
Gleiches wünsche ich Ihnen und euch!
 
Diakonin 
                
 
 
Hilfe gibt es auch bei der Telefonseelsorge unter 0800/1110111
oder per Chat auf www.telefonseelsorge.de

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