3-Minuten-Kirche am 25. August 2021
 
Bild: pixabay
 
„Nichts ist gut in Afghanistan.“
Für diesen Satz erntete Margot Käßmann vor rund zehn Jahren herbe Kritik. Heute brennen sich Bilder aus Afghanistan in unsere Augen und Herzen ein, die ihre Aussage bitter bestätigen.
Alle Bemühungen, den Menschen am Hindukusch zu helfen und dort für Frieden zu sorgen, sind mit dem rasanten Vormarsch der Taliban nach Abzug der internationalen Truppen verpufft. Nun herrscht dort in erster Linie Angst vor den Racheaktionen der islamistischen Miliz.
 
Diese Angst treibt die Menschen in Horden zum Flughafen nach Kabul. Diese Furcht lässt sie mehr Hoffnung in dem Versuch finden, sich an ein startendes Flugzeug zu klammern, statt auf die Zukunft zu hoffen. Diese Panik führt zu Toten und Verletzten in den drängenden Massen vor den Toren des Flugplatzes. Vor dem Stacheldraht warten noch immer Journalist*innen, Dolmetscher*innen, Frauenrechtler*innen und Ortskräfte darauf, evakuiert zu werden.
 
Bislang wurden etwa 30.000 Menschen ausgeflogen. Zu wenige? Zu viele? Zu langsam?
Die politischen Diskussionen werden erhitzt geführt. Der Ruf nach Konsequenzen und die Frage nach den Verantwortlichen heizt hierzulande den Wahlkampf weiter an.
 
Ich bin zuerst einmal entsetzt über die Verzweiflung, die Angst, die Hilflosigkeit, die aus den Bildern auf mich über strömen. Mit meinem Mitleid, meiner Not und meiner Sorge um die Betroffenen wende ich mich an Gott.
 
Ich tue das mit den Worten von Sabine Dreßler, Oberkirchenrätin der EKD und Referentin für Menschenrechte:
 
Gott, bist Du jetzt in Afghanistan?
Wir sind es nicht mehr, und die anderen auch nicht, 
die gekommen waren und geblieben sind für lange Zeit.
So viele Kämpfe, so viele Verletzte, so viele Tote. 
So viel Hoffnung, so viel Scheitern. 
Wer zahlt den Preis? Hat ihn schon längst bezahlt – 
und mit ihnen alle, die um sie weinen, hier und dort.
Gott, bist Du jetzt in Afghanistan?
Bei denen, die zurückbleiben, in größter Gefahr,
nur, weil sie Mädchen und Frauen sind, 
weil sie eine bessere Zukunft für sich und ihre Familien wollten, 
weil sie Schulen gebaut haben,
oder berichtet, über das, was auf den Straßen passierte, 
weil sie gedolmetscht oder gekocht haben, 
für die, die jetzt nicht mehr da sind. 
Gott, bleib‘ Du dort, wo wir nicht mehr sind – 
aber bleib‘ auch bei uns, 
und erinnere uns daran, was zu tun ist, 
damit die, die jetzt um ihr Leben rennen, nicht zurückbleiben müssen.
Amen
 
 
Herzlich grüßt Ihre und eure Diakonin  
                                                              
 
 
 
Übrigens: 
die 3-Minuten-Kirche erscheint ab sofort einmal wöchentlich (mittwochs)
– die nächste also am 01. September!
 

Monatsspruch Oktober 2021

Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.
(Hebr 10,24)
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